15. Dezember

Und hier gibt es unseren Beitrag zur Adventsaktion.

Die Königin mit der roten und der grünen Krone

Es war einmal eine Königin, die lebte in einem wunderschönen Schloss. Mit großen Räumen, wundervollen Bildern an den Wänden und kostbaren Teppichen auf dem Boden. Und natürlich hatte sie einen großen Hofstaat, mit sehr begabten Gauklerinnen und Musikantinnen.

Jetzt könntest du natürlich sagen: Na und? Das hat doch jede Königin! Das stimmt, aber die Königin, von der ich Dir erzählen möchte, hatte etwas Besonderes. Genaugenommen hatte sie etwas mehr als andere Königinnen. Sie hatte nicht nur eine Krone – nö nö nö!!! – sie hatte zwei Kronen! Eine smaragd-grüne und eine rubin-rote.

Wenn die Königin morgens mit einem Lächeln und einem „AHHHH!!!!“ aufwachte – vielleicht weil sie gut geschlafen, schön geträumt oder eine wilde Nacht gehabt hatte, dann überlegte sie nicht lange und setzte sich sofort ihre grüne Krone auf. Und dann saß sie so in ihrem Bett und wartete darauf, dass ihre Kammerzofe den Raum betrat, um ihr beim Ankleiden zu helfen.k2
Wenn dann die Kammerzofe den Raum betrat und sah, dass die Königin die grüne Krone aufhatte, dachte sie „juchhu“ und sagte ganz freundlich und lächelnd: „Guten Morgen Frau Königin!“. Und die Königin lächelte dann ganz lieb zurück und wünschte ihr auch einen wunderschönen guten Morgen.

Das war das Zeichen dafür, dass die Kammerzoffe die Vorhänge und Fenstern öffnete, so dass ganz viel Licht und frische Luft in den Raum kommen konnten. Danach half sie der Königin beim Ankleiden. An diesen Tagen gab es die Lieblingskleidung der Königin: Ihren Lieblingspullover, ganz weich und in ihren Lieblingsfarben. Und natürlich ihre Lieblingshose – mit Gummizug, weil die so schön bequem war. Dann sagte die Königin: „Frühstück!“ Und die Kammerzofe antwortete: „Natürlich Frau Königin, gerne! Sofort!“

Auf dem Weg in die Küche sagte sie dann allen: „Sie hat die grüne Krone auf, sie hat die grüne Krone auf!“ Dann freuten sie sich alle, denn das war das Zeichen dafür, dass im ganzen Schloss die Vorhänge und die Fenster geöffnet wurden. Die Musikantinnen fingen an zu musizieren und die Gauklerinnen begannen mit ihren Kunststücken.

An diesen Morgen bekam die Königin natürlich ihr Lieblingsfrühstück: Warme Croissonts, mit im Ofen vorgewärmter Nuss-Nougat-Creme. Dazu eine riesige Tasse Milchkaffee.

Wenn die Königin dann gefrühstückt hatte, machte sie ihre Runde durchs Schloss. Und jeder, der ihr über den Weg lief, begrüßte sie ganz freundlich, denn er freute sich so, der glücklichen Königin zu begegnen. So kam es, dass an diesen Tagen ein Lächeln der Königin im Schloss auf die Reise ging, das auch die hinterste Ecke erwärmte.

Mittags gab es die Lieblingsspeise der Königin: Fischstäbchen mit Pommes und Salat (wegen der Gesundheit). Nach dem Mittagessen fragte sie sich an diesen Tagen oft: “Was könnte ich denn jetzt Gutes für mich tun?” Und dann lauschte sie in sich hinein und eine innere Stimme sagte: “Ein kleines Mittagsschläfchen!” Und dann freute sie sich und sagte: “Natürlich! Warum bin ich da nicht selber drauf gekommen?” (Aber sie war ja selber darauf gekommen!)

Danach regierte sie. Und wenn sie lange genug regiert hatte, was ja auch mitunter sehr anstrengend ist, sagte sie sich: “So, jetzt habe ich aber lange genug regiert. Jetzt muss ich mal wieder was Gutes für mich tun. Ich denke, Bewegung würde mir sehr gut tun. Ich könnte eine Runde spazieren gehen.” Was sie dann auch tat!

Meistens ging sie im Wald spazieren. Und sie genoss es so, sich draußen in der Natur zu bewegen. Sie atmete die gute Waldluft ein, hörte die Vögel zwitschern, sah das Grün der Blätter und erfreute sich daran.

Wenn sie dann zurück nach Hause kam, warteten ihre Freundinnen bereits auf sie. Sie tranken dann zusammen Kakao mit Sahne, aßen leckeren Kuchen und spielten „Königin ärgere dich nicht“. Das Leben war einfach schön.

Du kannst dir sicherlich vorstellen, was sonst noch so alles an diesen Grüne-Kronen-Tagen geschah.

Wenn sich die Königin dann abends vor dem Schlafengehen die Krone absetzte und sich die Zähne putzte, dann sagte sie sich oft: „Ahhhh, was war das für ein schöner Tag! Und was bin ich doch für eine schlaue Königin, denn ich wusste ja bereits heute Morgen, dass dies ein wundervoller Tag werden wird.“

Jetzt gab es allerdings auch so Morgen, an denen die Königin mit so einem MmpfGrrrm aufwachte, ihre Augen auch nicht richtig aufgingen (oder nur eins). Und auch ihre Mundwinkel gingen eher Richtung Kniekehlen, als Richtung Ohrläppchen. Vielleicht weil sie schlecht geschlafen, schlecht geträumt oder keine wilde Nacht gehabt hatte.k1

Dann überlegte sie nicht lange und setzte sich sofort ihre rote Krone auf. Und dann saß sie da in ihrem Bett, ihr Mund zu einem Schnütchen gezogen und wartete darauf, dass die Kammerzofe den Raum betrat, um ihr beim Ankleiden zu helfen.

Wenn dann die Kammerzofe den Raum betrat und sah, dass die Königin die rote Krone aufhatte, dachte sie sich innerlich „ohoh“, sagte dann aber trotzdem ganz freundlich: „Guten Morgen, Frau Königin“. Aber die Königin grummelte dann nur irgendetwas nicht verständliches.

Das war das Zeichen dafür, dass die Vorhänge und Fenstern geschlossen blieben. Kein Licht, keine frische Luft. Auch keine Lieblingskleidung. An diesen Morgen gab es einen Pullover, den sie gar nicht mochte und schon gar nicht die Farbe. Und es gab eine Hose – ohne Gummizug – die ein bisschen zu eng und ein bisschen zu kurz war. Dazu noch weiße Tennissocken. Weil: Wenn schon, denn schon!

Auf dem Weg in die Küche sagte die Kammerzofen dann allen: „Sie hat die rote Krone auf, sie hat die rote Krone auf!“ Dann machten alle „ohoh“, denn das war das Zeichn dafür, dass im ganzen Schloss die Vorhänge und die Fenster geschlossen blieben. Keine Musik und keine Kunststücke. Auch keine frischen Blumen, die Königin hätte es eh nicht gewürdigt.

An diesen Morgen bekam die Königin natürlich auch nicht ihr Lieblingsfrühstück. Keine warmen Croissonts mit im Ofen vorgewärmter Nuss-Nougat-Creme und einer riesen Tasse Milchkaffee. An diesen Morgen gab es kalte Hafergrütze nur mit Wasser und Hagebuttentee. Weil: Wenn schon, denn schon!

Wenn die Königin dann gefrühstückt hatte, machte sie ihre Runde durchs Schloss. Die meisten versuchten ihr aus dem Weg zu gehen. Wenn ihr doch jemand begegnete, dann sagte er ganz vorsichtig: „Guten Morgen, Frau Königin!“ Aber die Königin grummelte nur irgendwas und schaute ganz böse. Mittlerweile hatten sich auch ihre Augenbrauen ganz zusammengezogen. Außerdem ärgerte sie sich, dass sie so schlechte Laune hatte. Und je mehr sie sich ärgerte, desto schlechter wurde ihre Laune.

Mittags gab es natürlich keine Fischstäbchen, Pommes und Salat. Mittags gab es Käseschnittchen – ohne Gürkchen! Sich die Frage zu stellen, was ihr nach dem Essen wohl gut tuen könnte, vergaß sie einfach. Also gab es auch kein Mittagsschläfchen.

Natürlich fiel ihr das Regieren an diesen Tagen sehr schwer. Sie war so unkonzentriert und gönnte sich auch keine Pausen. Im Wald spazieren zu gehen, die Bewegung an der frischen Luft, die Geräusche und Farben des Waldes zu genießen und tief durchzuatmen – dafür hatte sie keine Zeit – obwohl es ihr sicherlich gut getan hätte.

Sie traf sie sich auch nicht mit ihren Freundinnen. Und zum Nachmittagskaffe gab es lauwarmen Kakao mit Haut und trockene Streuselkuchen von vorgestern. Weil: Wenn schon, denn schon.

Du kannst dir sicherlich vorstellen, wie diese Tage sonst noch verliefen.

Wenn sich die Königin dann abends vor dem Schlafengehen die Krone absetzte und die Zähne putzte, dann sagte sie sich: „MmpfGrrrm, was war das für ein scheußlicher Tag! Aber was bin ich doch für eine schlaue Königin, denn ich wusste ja bereits heute Morgen, dass dies ein ganz furchtbarer Tag werden wird.“

Nun geschah eines Morgens folgendes, man könnte sagen: Ein Versehen. Die Königin wachte auf und ihr erster Gedanke war MmpfGrrrm. Der Fall war klar. Aber vielleicht, weil ihre Augen noch nicht ganz auf waren, oder weil sie für einen klitzekleinen Moment nicht aufmerksam war, griff sie zu der falschen Krone. Da saß sie nun in ihrem Bett, dachte, sie trage die rote Krone, hatte aber die grüne auf.

Als dann die Kammerzofe den Raum betrat, sah sie wohl das Schnütchen der Königin nicht, sondern nur die grüne Krone. Mit einem freundlichen: „Guten Morgen, Frau Königin“ ging sie direkt zum Fenster, zog die Vorhänge zur Seite und öffnete es. Während die Königin irritiert noch „ähhh?“ sagte, kam schon ein kleiner Sonnenstrahl und kitzelte sie an ihrer Nasenspitze. Ihre Mundwinkel zucken ein wenig und für einen kleinen Moment bewegten sie sich Richtung Ohrläppchen.

Dann saß sie da und rechnete mit dem hässlichen Pullover, der Hose, die ein bisschen zu eng und zu kurz war und den weißen Tennissocken. Aber sie bekam Ihren Lieblingspullover, ganz weich und in ihren Lieblingsfarben. Und natürlich ihre Lieblingshose – mit Gummizug.

Und wieder zuckten ihre Mundwinkel ein wenig und ein Hauch von einem Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus. Schnell sagte sie: „Ähh….Frühstück!“

Auf dem Weg in die Küche sagte die Kammerzofe allen: Sie hat die grüne Krone auf, sie hat die grüne Krone auf. Und alles nahm seinen Lauf. Da saß nun die Königin und rechnete mit Hafergrütze und Hagebuttentee. Aber was bekam sie? Warme Croissonts mit im Ofen vorgewärmter Nuss-Nougat-Creme und einer riesigen Tasse Milchkaffee. Sie dachte noch kurz: „Das habe ich gar nicht bestellt !” Der nächste Gedanke war dann aber zum Glück: “Aber ich esse es trotzdem!” Und es schmeckte so gut und wieder zuckten ihre Mundwinkel ein wenig Richtung Ohrläppchen und ihre Laune wurde ein bisschen besser.

Als sie dann nach dem Frühstück durch ihr Schloss ging, begegneten ihr ganz viele Menschen, die sie alle so freundlich anlächelten und ihr einen schönen Tag wünschten. Und wieder wurde ihre Laune ein bisschen besser.

Zur Mittagszeit rechnete sie mit Käseschnittchen ohne Gürkchen – und was gab es? Fischstäbchen mit Pommes und Salat. Danach war ihre Laune schon so gut, dass sie sich spontan für ein kleines Mittagsschläfchen entschied.

Danach regierte sie und war ganz überrascht, wie leicht es ihr viel. Nachdem sie ihre Pflichten erledigt hatte, überlegte sie, was sie denn jetzt Gutes für sich tun könnte? Und sofort kam ihr der Gedanke, spazieren zu gehen. Und sie freute sich, dass sie so tolle Ideen hatte.

Denn eigentlich wusste sie, was ihr gut tat. Und im Wald spazieren zu gehen, in Bewegung zu sein, die frische Waldluft zu atmen, sich an den Farben und dem Zwitschern der Vögel zu erfreuen, gehörte auf jeden Fall dazu.

Zurück, warteten ihre Freundinnen bereits auf sie und sie aßen leckeren Kucken, tranken Kakao mit Sahne und spielten „Königin ärger dich nicht“. Und so weiter und so fort. Du kannst dir sicher vorstellen, wie dieser Tag sonst noch verlief.

Als sich die Königin abends vor dem Schlafengehen die Krone absetzte und ihre Zähne putzen wollte…hielt sie plötzlich inne! „Oh gottogott! Ich hatte ja die grüne Krone auf!“
Und plötzlich begriff sie:

Grüne Krone: Warme Croissonts mit Milchkaffee
Rote Krone: Hafergrütze mit Hagebuttentee.
Grüne Krone: Lieblingshose mit Gummizug.
Rote Krone: Weiße Tennissocken.
Grüne Krone: Fischstäbchen, Pommes und Salat
Rote Krone: Käseschnittchen!

Da traf sie folgende Entscheidung: “Wenn ich morgen früh aufwache, geh ich sofort in den Garten und verbuddel meine rote Krone. Weil, die brauch ich ja nicht mehr!”
Zum Glück, muss man sagen, lag eine Nacht zwischen der Entscheidung und dem nächsten Morgen. Denn nachts, wenn Königinnen schlafen, geschehen oft wundersame Dinge. In den Träumen gehen die Gedanken auf die Reise, all das, was sie im Laufe des Tages erlebt haben, wird verarbeitet. Altes und Neues verbindet sich und neue Gedanken können entstehen. So auch bei der Königin in genau dieser Nacht.

Als sie morgens aufwachte, dachte sie: Ich verbuddel doch nicht meine rote Krone. Nönönö! Dann wäre ich ja ganz schön dumm. Denn ihr war bewusst geworden, wie gut es war, eine grüne und auch eine rote Krone zu besitzen.

Aber, sie nahm sich vor, sich morgens ganz bewusst zu fragen: Wie geht es mir und wie möchte ich heute sein? Welche Krone passt zu meiner Laune. Und manchmal ist es dann eben die rote. Aber die brauch ich ja gar nicht den ganzen Tag aufbehalten. Und ich könnte mich im Laufe des Tages auch immer wieder mal fragen, wie es mir geht. Und dann vielleicht die andere anziehen.

Oder ich könnte sogar, obwohl ich gute Laune habe, die rote anziehen. Dann hab ich meine Ruhe und keiner spricht mich an. Und ab und an Hafergrütze zum Frühstück ist ja auch gesund.

Oder an so Rote-Kronen-Tagen, wenn etwas wichtiges ansteht, vielleicht weil der Nachbarkönig zu Besuch kommt (den mochte sie ganz gerne), einfach die grüne anziehen und so tun als ob. Mal schauen, was dann so alles passiert.

Du kannst dir sicherlich vorstellen, welche tollen Ideen sie sonst noch hatte.

Naja, und wenn sie nicht gestorben ist, dann frühstückt sie noch heute an manchen Tagen warme Croissonts, mit im Ofen vorgewärmer Nuss-Nougat-Creme und einer riesen Tasse Milchkaffee!logo_schumachers_bistro_400px

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